Bücher im Großdruck

Als ich anfing, Bücher zu „machen“, dachte ich lange nicht darüber nach, dass es auch Menschen gibt, die vielleicht nicht mehr so gut sehen können und dennoch lesen möchten. Die Devise hieß: Umso weniger Seiten, umso günstiger das gedruckte Buch im Verkauf, umso mehr Menschen erreichst du. Etwa 2 Jahre habe ich nach dem Prinzip gearbeitet. Doch dann sprach ich mit einer älteren Dame. Sie erzählte mir, dass sie früher so gern gelesen hätte. Doch heute waren die Schriften so klein, die Zeilenabstände zu gering und die Augen machten das einfach nicht mehr mit. Und jedes Mal eine zusätzliche Lupe in der Hand halten, das machten ihre von Gicht schmerzenden Hände nicht mehr mit. In diesem Moment nahm ich diese Informationen auf. Und vergrub sie wieder. Ja, Bücher in Großdruck … davon hattest du mal was gehört. Aber wer sollte das kaufen? Saßen entsprechende Kunden wirklich am PC und suchten danach?

Für mich eher sehr unwahrscheinlich.

Aber dann sprach ich mit einer weiteren Kundin. Sie beklagte eben jene Punkte, dass es nahezu keine Klassiker in Großdruck gab. Natürlich konnte sie eBooks lesen und die Schrift entsprechend größer stellen. Aber das war halt kein richtiges Buch. Das bedauerte sie sehr. So oft sie auch im Internet nach Büchern in Großdruck/ Großschrift suchte, sie fand lediglich „modernen Kram“. Aber die Bücher aus ihrer Kindheit und Jugend … Keine Chance.

Nach diesem Gespräch ging ich nach Hause und lag die halbe Nacht wach. Bücher in Großschrift … Ich googelte mich dumm und dämlich und kam zum selben Ergebnis: Es gab nicht viele davon.

Aber machte es Sinn, jedes Buch extra in Großschrift zu erstellen? Gab es die Kundschaft dazu?

Zögernd begann ich, vereinzelte Bücher als Großdruck zu erstellen. Ich war mir der Sache noch immer nicht sicher, ob das Sinn machen würde. Alte Menschen suchten nicht im Internet nach Büchern. Wie auch? Sie sahen ja nichts … 😉

Doch schon im ersten Monat wurden diese handvoll Titel, die ich in eben jener Großschrift erstellte, gekauft. Im darauffolgenden überholten sie sogar die normalen Taschenbuch-Titel.

Kurz darauf erhielt ich eine eMail, in der sich eine Kundin persönlich bedankte. Es war eine junge Frau, kaum 20. Doch ihre Sehkraft ließ, krankheitsbedingt, immer weiter nach. Noch konnte sie lesen und wollte das so lange wie möglich auskosten. Es gab eine ganze Liste an Klassikern der Weltliteratur, die sie noch vor ihrem Erblinden lesen wollte. Mit gut der Hälfte konnte ich ihr sogar dienen. Es war ein tolles Gefühl.

Seither gibt es nahezu jeden unserer Klassiker in Großschrift. Nur wenige schaffen es nicht. Das liegt dann aber lediglich an der Länge der Werke und das es für den Leser einfach zu teuer wird. Dort kann ich dann nur empfehlen, wirklich auf das eBook-Format umzustellen.

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